Zum historischen Hintergrund

Bild: Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich März 1938; Wien bei dem Einmarsch der deutschen Truppen © Bundesarchiv Bild 146-1985-083-10

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39. Pegida Demonstration in Dresden 25. Jan. 2015 © Kalispera Dell - https://www.panoramio.com/photo/116139881, CC BY 3.0,

Seit der Wende 1989 und der Wiedervereinigung 1990 agieren rechtsradikale Kräfte offen und rufen zu Aufmärschen und Krawallen auf, vermehrt in den neuen Bundesländern. Pegida und ihre Adepten in anderen Städten haben zahlreiche Anhänger.

In Folge der sog. Flüchtlingskrise von 2015 treten die rechtsradikale Partei AfD, rechte Gruppierungen und Bewegungen wie Pegida vollkommen selbstbewusst öffentlich auf. Ihr Jargon gleicht dabei völlig bedenkenlos jenem der Nazis. Schlimmer noch: Der rechtsradikale AfD-Politiker Bernd Höcke und seine Adepten haben sich die menschenverachtende Sprache der Nazis zu eigen gemacht. Ihr unverblümt propagiertes Ziel ist die Zerstörung unserer Demokratie und die Installierung eines „Vierten Reichs“. Antisemitismus, frauenfeindliche, homophobe sowie rassistische Parolen werden in unserer Gesellschaft scheinbar wieder wie selbstverständlich ausgesprochen und hingenommen.

In einem kleinen historischen Abriss seit dem 19. Jahrhundert soll der Antisemitismus in seinen verschiedenen Ausprägungen dargestellt werden, denn gerade die Zeitspanne von 1918 bis 1945 ist von grundlegenden gesellschaftspolitischen Spannungen geprägt.

Historischer Abriss 1918 bis heute

Novemberrevolution Matrosenaufstand von 1918 © Bundesarchiv Bild 183-J0908-0600-002

An der Seite der Habsburger Monarchie Österreich-Ungarn hatte das Deutsche Kaiserreich unter Wilhelm II. den Ersten Weltkrieg verloren. Im November 1918 kam es zur Revolution, ausgelöst durch den Aufstand der Matrosen in Kiel. Die Unruhen breiteten sich über das ganze Land aus, die durch die Ausrufung der Republik durch Philipp Scheidemann und durch die Abdankung des Kaisers beendet wurden. Doch statt sich konsolidieren zu können, war die Weimarer Republik andauernden Anfeindungen durch „innere Feinde“ ausgesetzt, die Verfassung und demokratische Ordnung vehement ablehnten und auch vor Waffengebrauch nicht zurückschreckten.

Novemberrevolution Matrosenaufstand von 1918 © Bundesarchiv Bild 183-J0908-0600-002
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Eine weitere Schwierigkeit stellte die wirtschaftliche Situation dar. Ausgelöst durch die enorm hohen Reparationszahlungen kam es 1923 zu einer Hyperinflation, begleitet von einem Heer von Arbeitslosen und verarmten Familien, die sich kaum selbst ernähren konnten und auf soziale Zuwendungen angewiesen waren. Erst durch die Einführung der Rentenmark durch Reichskanzler Gustav Stresemann konnte sich die angespannte Lage allmählich konsolidieren. Die sich anschließenden Jahre werden als die „Goldenen Zwanziger“ bezeichnet mit einer unglaublichen Fülle von Konzerten, Aufführungen und Varietés. Das Ende des wirtschaftlichen Aufschwungs war der „Black Friday“, der Börsenkrach vom 24. Oktober 1929 in New York, der eine Weltwirtschaftskrise zur Folge hatte.

100 Millionen Reichsmark Inflationsgeld © Public Domain ()
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Die Weimarer Republik zerbrach an sich selbst, zerstört von innen heraus. Die Machtübernahme Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 war dennoch keine Zwangsläufigkeit, sondern Folge der Leidenschaftslosigkeit, mit der die demokratischen Parteien, Hitler und den Nationalsozialisten das politische Feld überließen. Hitler schaffte es innerhalb weniger Wochen die demokratischen Strukturen der Weimarer Republik zu zerstören. Formal bestand das Deutsche Reich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs jedoch weiter, es wurde jetzt das Dritte Reich genannt.

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg wird der geänderte Gebrauch von Musik wichtig, denn durch die enormen technischen Entwicklungen ergaben sich bis dahin nie geahnte Möglichkeiten: Zuhörer müssen sich weder im gleichen Raum noch zur gleichen Zeit aufhalten wie die ausübenden Musiker, um Musik hören zu können. Die Entwicklung der Tonträger macht es möglich, dass Musik überall abgespielt und gehört werden kann. Ein weiterer extrem wichtiger Meilenstein ist die Entwicklung und der Aufbau des Rundfunks und des Kinos. Mit diesen beiden Medien kann ein Millionen-Publikum gleichzeitig angesprochen werden. Diese Tatsache wird sich später Joseph Goebbels nach der Machtübernahme 1933 als Minister für Volksaufklärung und Propaganda zunutze machen. Er erkennt sofort das Potential der neuen Medien: Musik als wunderbares Transportmittel für NS-Ideologie.

Rundfunkempfänger © Ve301w CC BY-SA 3.0,
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Damit wird ein weiterer, sehr wichtiger Aspekt angesprochen, nämlich der zunehmende Missbrauch von Musik durch die Politik. In totalitären Regimen wie dem Nationalsozialismus in Deutschland wird selbst Unterhaltungsmusik, die eigentlich nur erfreuen will, zu einem politischen Statement.

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ist ideologisch sehr aufgeheizt. In Deutschland konnten nach dem Wegfall der Zensur alle Parteien legal auftreten und ihre Meinung äußern. Die Spannungen zwischen dem ganz linken und dem ganz rechten parteipolitischen Spektrum nahmen im Laufe der Jahre immer weiter zu. Die Weimarer Republik blieb gekennzeichnet durch die heftigen Straßenkämpfe der jeweiligen Kampftruppen dieser Parteien. Jede Gruppierung hat ihre Musik, die die jeweilige Ideologie vertonten und dadurch transportierten. Musik kann das Böse im Menschen aktivieren, kann zu Hass und Ausgrenzung, ja schlimmstenfalls zu Mord und Totschlag aufrufen. Musik ist durchaus beides: trennend und zusammenführend. Sie ist ebenso ambivalent wie der Mensch selbst.

Dieses Zeichen diente zur Ausgrenzung und Stigmatisierung jener Menschen, die nach den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 als Juden galten. Ab dem 1. September 1941 wurde das sichtbare Tragen des Judensterns für die betroffenen Menschen Pflicht.

Judenstern: © Daniel Ullrich, Threedots - Own work, CC BY-SA 3.0,

Statement

Bei jeder Form von Diskriminierung, Diffamierung oder Beleidigung aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Alter, Religion, Einkommen oder sexueller Orientierungsowie bei persönlichen Angriffen werden sofort die geeigneten rechtlichen Schritte ergriffen.

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